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Meine Kälte taut

Ich sitze heute, am 4. Dezember, wieder im Home-Office. Und ich friere – dieses Frieren meiner Füße und das mittlerweile vertraute, innere Frieren, das selbst die aufgedrehte Heizung nicht besiegen kann. Die Stille der eigenen vier Wände ist an diesem Morgen wieder beklemmend.

Gestern noch war ich fest entschlossen, in diesem Jahr jeglichen Gefühlskram zu vermeiden. Kein Schmuck, keine Lichter, nichts, was mich an das schmerzhafte Fehlen meiner Kinder erinnern könnte.

Doch der gestrige Abend brachte eine unverhoffte kleine Wende, einen winzigen, menschlichen Anker, der die innere Kälte für ein paar Stunden vertrieb.

Gestern Abend saß ich nicht allein zu Hause, sondern im Schulungsraum mit „meiner Jugend“. Wir haben einen Weihnachtsbaum geschmückt und Kekse gebacken.

In diesem Moment, fernab vom erdrückenden Glanz des Büros und der beklemmenden Stille zu Hause konnte ich etwas spüren, das mir lange gefehlt hat: authentische, ungefilterte Vorfreude.

Die Jungs waren einfach nur glücklich. Über die Kekse, über die Kugeln, über das einfache Beisammensein.

Kommt da etwa Wärme in mein Herz?

Keine überwältigende Glückseligkeit, aber ein sanftes, willkommenes Gefühl, das die eisigen Gedanken für einen Augenblick zurückdrängte. Die Anwesenheit dieser jungen Menschen, ihre Leichtigkeit und ihr unbeschwertes Lachen und sogar das typische Streiten waren Balsam für die Wunden in mir.

Wenn man selbst so viel Schmerz und Einsamkeit durchlebt, wird der Wunsch nach dem Glück der anderen umso stärker. Ich sah in ihre noch glücklichen Gesichter und dachte nur eines: Ich hoffe, sie werden nie meine Situation mitmachen müssen.

Nie diese innere Leere, die man mit dem Blick auf fremden Weihnachtsschmuck füllen muss. Nie die Furcht vor einem Fest, das eigentlich Freude bringen soll.

Dieser Abend war ein winziger Anker in einer Zeit der Orientierungslosigkeit. Er hat gezeigt, dass es nicht der teure Schmuck oder die perfekte Dekoration ist, die zählt, sondern die menschliche Verbindung.

Die Entscheidung, ob ich bei mir zu Hause schmücken soll, steht noch immer. Die Wärme in meiner Wohnung und im Büro kommt nicht von der Heizung oder von bunt blinkenden Lichterketten. Manchmal kommt sie durch die unschuldige Freude eines anderen Menschen. Derjenigen, die auch mal zuhören können oder einfach mal ein Danke sagen.

Diese Momente sind kostbar. Wie kann ich diese kleine, gefundene Wärme in den restlichen Tag im Home Office retten? Aktuell sind es bei mir heiße Maultaschen und eine Kollegin, bei der ich mich ein wenig „auskotzen“ konnte. Und wie bekomme ich Wärme an Heiligabend?

Meine Kälte taut,
Kinderlachen wärmt mein Herz.
Ein Funke bleibt nun.

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