
Ich sitze hier, und die Adventszeit zieht an mir vorbei. In meinen letzten Beiträgen habe ich über die Furcht geschrieben – die Angst davor, an Weihnachten in dieser leeren Wohnung zusammenzubrechen, während meine Kinder, die ich über alles liebe, nicht bei mir sein können. Aber je näher das Fest rückt, desto klarer wird mir, dass diese Einsamkeit noch eine andere, tiefere Ebene hat.
Das Echo der Oberflächlichkeit
Es ist eine Sache, allein zu sein. Es ist eine ganz andere, sich einsam zu fühlen, während man von Menschen umgeben ist.
Ich habe Freunde, ich habe Kameraden, und bei der Arbeit gibt es ständig Gespräche. Wir lachen mit den Kollegen, wir fachsimpeln, wir tauschen uns aus. Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, bleibt das alles an der Oberfläche. Es ist Smalltalk gegen die Stille.Was mir fehlt, ist das Persönliche. Das Echte. Und mir ist klargeworden: Es sind nicht die Worte, die mir fehlen. Es ist auch nicht das, was viele vielleicht vermuten würden – es geht nicht um Sex.
Es geht um die Nähe, die nur beim Schweigen entsteht.
Der Hunger nach echter Nähe
Ich vermisse es, jemandem einfach in die Augen zu schauen, ohne etwas sagen zu müssen. Ich vermisse Umarmungen, die länger dauern als ein flüchtiger Gruß. Diese kleinen, körperlichen Berührungen, die einem sagen: „Du bist da, und das ist gut so.“
Man nennt das wohl „Hauthunger“. Ein Begriff, der wehtut, weil er so treffend beschreibt, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr gespürt habe. Kameraden und Kollegen können mir das nicht geben, so sehr ich sie auch schätze.
Diese Form von Geborgenheit ist reserviert für die Menschen, die uns am nächsten stehen – und genau diese Lücke klafft an Weihnachten wie eine offene Wunde.
Die Furcht bleibt – aber ich spreche sie aus
Die Angst vor dem Fest ist wieder voll da. Sie mischt sich mit der Sehnsucht nach meinen Kindern und dem schmerzhaften Wissen, dass ich dieses Jahr niemanden haben werde, mit dem ich einfach nur wortlos auf dem Sofa sitzen kann. Weihnachten wird zum Graus, weil es uns zwingt, genau hinzusehen: Wo ist die Wärme? Wo ist die Hand, die meine hält?
Ich schreibe das hier, weil ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der die Maske des „starken Vaters“ oder des „geschätzten Kollegen“ trägt, während er innerlich nach einer einfachen Umarmung hungert.Vielleicht ist das der einzige Weg, wie ich diese Tage überstehe: Indem ich nicht mehr so tue, als wäre alles okay.
Die Stille in meiner Wohnung ist laut, ja. Aber indem ich sie hier teile, fühlt sie sich hoffentlich für einen Moment ein kleines bisschen weniger isoliert an.
Die leere Wohnung,
josi.de
Keine Hand, die meine hält,
Stille zehrt an mir.

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